Dienstag, 29. Dezember 2015
30 terms and definitions - one year no. VII
a stormy and snowy new year's day morning at the corniche in reykjavik - searching humour in samara (costa rica) - lost baggage in auckland - planning a trip around the world - ab - tag x - croaking frogs at 2 a.m. in a hotel's backyard - experiencing a relocation - for the first time in ten years not visited romania - florentine - saving money - breaking bad - a song of ice and fire - the walking dead - snobbish people (café atlantic) - disrespectful people under an oak tree in a beer garden - trying not to lose contact (sr, mk, hh) - supporting a removal in b - waiting for new tasks at the job - gaining weight - co-work in walldorf (ml) - losing energy and actionism - no tears, no despair, no motivation - soccer at tv (pl, bl) - helpful colleagues (etd) - new neighbours - spiegel and travelling - insist on a pot of white paint - trying to be reliable (again) - a refreshing sea kayak trip in milford sound (al)
Sonntag, 27. Dezember 2015
words...
... are wind, Brienne told herself. They cannot hurt you. Let them wash over you.
- George R.R. Martin, A Feast for Crows
Freitag, 13. November 2015
das ist der ganze jammer:
die dummen sind so sicher und die gescheiten so voller zweifel.
- helmut schmidt (1918 - 2015)
Donnerstag, 22. Oktober 2015
curriculum vitae
Leicht gebeugt saß die 39-Jährige vor mir in der Beratung, mit emotionsloser Stimme sagte sie: "Höchste Zeit, dass eine Beförderung in meinem Lebenslauf steht." Ihr Gesicht blieb starr wie eine Totenmaske. Dabei sprach sie doch über ihr Leben, über eine Vision für ihre Zukunft! Ich wollte sie aus der Reserve locken: "Angenommen, Ihr Leben wäre in sechs Monaten vorbei - wie würden Sie Ihre letzte Zeit verbringen?"
Sie stellte ihren rechten Ellbogen auf den Tisch, legte ihr Kinn in die Hand, schaute nach oben, als wollte sie die Antwort von der Decke ablesen. Es war so still im Raum, dass die Wanduhr zu hämmern statt zu ticken schien. Dann sagte sie: "Ich würde wahrscheinlich meinen Job kündigen, meinen Freund verlassen, endlich die Weltreise machen - und das erste Mal mit dem Fallschirm springen, das will ich schon so lange. Ich würde keine Businesskleidung mehr tragen, sondern Jeans. Ich würde mich mit meinem Vater aussprechen, da steht noch viel zwischen uns im Raum. Und ich würde meinem Vermieter endlich sagen, dass ich ihn nicht leiden kann und ausziehen!"
Jetzt saß sie aufrecht. Ihre Hände flogen beim Sprechen, sie lachte. Aus der Leblosen war eine Lebendige geworden. Das erlebe ich oft: Menschen leuchten, wenn sie über ihre Herzenswünsche sprechen; und sie erlöschen, wenn sie nur nachplappern, was die Gesellschaft ihnen einflüstert.
Der Aufstiegswunsch ging auf ihren Vater zurück, der ihr eingeimpft hatte: "Du musst im Beruf nach oben kommen!" Ihr Freund, ein Betriebswirt mit MBA, hatte gesagt: "Wenn du mit 40 noch keine Beförderung im Lebenslauf hast, ist die Tür für immer zu." Ihre eigenen Wünsche lagen begraben unter einem Müllberg fremder Erwartungen.
Wir lesen dieselben Bestseller, pfeifen dieselben Hits, nutzen dieselbe Suchmaschine, tummeln uns im selben sozialen Netzwerk und schmieden die gleichen Karrierepläne. Und natürlich sehen wir im Fernsehen dieselbe Werbung, die Millionen Menschen individuelles Glück verspricht, sofern diese - aufgepasst! - alle das gleiche Duschgel, die gleiche Versicherung oder die gleiche Schlaftablette kaufen. Da weiß man, was man hat: ein Reihenleben im Reihenhaus.
Und doch weigert sich das Glück, bei uns einzuziehen. Denn tief innen fragen sich viele: "Was hat dieses Leben eigentlich mit mir zu tun?" Immer mehr Menschen fühlen sich im falschen Film. Vier von zehn Deutschen geben an, die Qualität ihres Lebens nehme ab. Hinter hektischer Aktivität, hinter lächelnden Gesichtern, hinter makellosen Fassaden gähnt ein Abgrund aus Sinnlosigkeit. Die Depression ist zur Volkskrankheit geworden, Menschen verlieren ihr Leben durch Anpassung.
Viele machen Lebensentscheidungen von einer einzigen Frage abhängig: "Wie wirkt es sich auf meinen Lebenslauf aus?" Je nach Antwort heuern sie im Internet-Business oder in der Stahlbranche an, gehen nach China oder an den Chiemsee, fangen ein Zweitstudium in Wirtschaftsinformatik an oder lesen Omis im Altersheim Fontane vor (weil sich ein "soziales Engagement" im Lebenslauf angeblich gut macht).
Wie kann es sein, dass unser Funkkontakt zum eigenen Herzen heute so schnell abreißt? Wir haben eine Armada technischer Geräte erfunden, um Zeit fürs Eigentliche zu gewinnen. Statt monatelang mit einer Postkutsche durchs Land zu hoppeln, zischen wir mit dem Flugzeug durch die Lüfte. Statt uns jeden Tag mit dem Abwasch herumzuschlagen, drücken wir den Knopf der Spülmaschine. Und wer seine Wohnung heizen will, muss vorher kein Holz mehr hacken - er muss nur noch am Regler seiner Heizung drehen.
Doch der Fortschritt entpuppt sich als Geiselnehmer: Er entreißt uns einem stimmigen Leben, raubt uns Zeit für Reflexion. Wir surfen gegen die Brandung der Informationsflut an, stürzen uns in Chats, twittern Banalitäten in Echtzeit um den Globus, skypen uns ans andere Ende der Welt und sitzen täglich im Schnitt über vier Stunden vor dem Fernseher.
Gerade jene Zeit, die wir angeblich durch die moderne Technik sparen, die Zeit der langen Wege, die Zeit des Abwaschens, die Zeit des Holzhackens, gerade diese Zeit gab den Menschen früher Gelegenheit, ihr Leben zu reflektieren - und zu spüren, was sie wirklich wollten.
"Aber die Welt endet ja nicht in sechs Monaten. In Wirklichkeit habe ich noch viel Zeit", das war die nächste Reaktion meiner Klientin. "Sind Sie sicher?", fragte ich. Und die Frau erinnerte sich an ihren Onkel, der immer für die Rente gelebt hatte, aber ein halbes Jahr vorher an einem Herzinfarkt starb. Sie nahm sich kleine Schritte vor: Erst den Sprung mit dem Fallschirm. Dann das klärende Gespräch mit ihrem Vater. Schließlich wollte sie sich um die Beziehung zu ihrem Freund und um eine neue Wohnung kümmern. Und im Beruf strebte sie keinen Aufstieg mehr an, sondern wollte mehr von dem tun, was sie beglückte: Menschen bei der Urlaubsplanung beraten.
Der Gedanke an den eigenen Tod hatte ihre Wünsche umgewälzt: die eigenen nach oben, die fremden nach unten. Endlich nahm sie ihr Leben wichtiger als ihren Lebenslauf.
- Martin Wehrle (Spiegel Online, 22.10.2015)
Samstag, 10. Oktober 2015
freedom
[Verse 1: Elayna Boynton]
Felt like the weight of the world was on my shoulders
Pressure to break or retreat at every turn
Facing the fear that the truth, I discovered
No telling how, all these will work out
But I've come to far to go back now
[Hook: Elayna Boynton]
I am looking for freedom, looking for freedom
And to find it cost me everything I have
Well I am looking for freedom, looking for freedom
And to find it, may take everything I have
[Verse 2: Anthony Hamilton]
I know all too well it don’t come easy
The chains of the world they seem to moving tight
I try to walk around if I’m stumbling so come..
Trying to get up but the doubt is so strong
There’s gotta be a winning in my bones
[Hook: Anthony Hamilton & Elayna Boynton]
[Verse 3: Elayna Boynton & Anthony Hamilton]
Oh not giving up there’s always been hard, so hard
But if I do the things the easy way I won’t get far
Mhm, life hasn't been very kind to me lately, (Well)
But I suppose it’s a push for moving on (Oh yeah)
In time the sun’s gonna shine on me nicely (On me yeah)
Something tells me good things are coming and I ain’t gonna not believe
[Hook: Elayna Boynton & Anthony Hamilton]
- Django Unchained OST
Sonntag, 27. September 2015
reisen
Alleine in einer fremden Stadt aufzuwachen, ist eine der angenehmsten Empfindungen der Welt.
- Freya Stark (1893 - 1993)
Ich glaube, der glücklichste Moment im Leben eines Menschen ist eine Abreise in unbekannte Länder.
- Sir Richard Francis Burton (1821 - 1890)
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
- Ray Bradbury (1920 - 2012)
Meine Reisen, das war das letzte hinausgeworfene Geld! Ich hab' sollen die Welt kennen lernen und ich hab' gefunden, die Welt ist grad' so, wie ich mir's vorgestellt hab'.
- Johann Nepomuk Nestroy (1801 - 1862)
Reisen ist nur im Rückblick eine glamouröse Angelegenheit.
- Paul Theroux (*1941)
Reisen ist fatal für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit.
- Mark Twain (1835 - 1910)
Sonntag, 9. August 2015
never forget ...
... what you are, for surely the world will not. Make it your strength. Then it can never be your weakness. Armour yourself in it, and it will never be used to hurt you.
-Tyrion Lannister (George R.R. Martin: A Game of Thrones)
Montag, 20. Juli 2015
Introvertierte...
..., so die Entdeckung, sind häufig auch dann neuronal stimuliert, wenn sie keine Reize von außen empfangen. Wegen dieser von Natur aus höheren Gehirnaktivität haben die Stillen offenbar ein stärkeres Bedürfnis, sich gegen Reizüberflutung abzuschirmen.
SPIEGEL ONLINE, abgerufen am 20.07.2015
Freitag, 26. Juni 2015
No one...
...talked to Arya. She didn't care. She liked it that way.
- George R.R. Martin, A Game of Thrones
Sonntag, 3. Mai 2015
afrika
Es war schön zu laufen, die Geräusche, das Brummen, wir freuen uns auf ein kaltes Wasser und eine Tasse Kaffee. Nur zwei Mitglieder der Gruppe maulen, sie sie hätten ja schon wieder nichts gesehen. Mir hat das Nichts gefallen. Das Land besteht zum größten Teil aus Trockensavanne, und darin brummt, sirrt, schwirrt und klingt es. So wie man nachts beim Schauen in den Himmel immer mehr Sterne sieht, je länger man hinschaut, ist es auch im Busch. Das ist ihnen egal. Ohne Löwe war das kein Afrika.
- Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.04.2015
Mittwoch, 15. April 2015
tokyo (vampires and wolves)
We're self imploding
Under the weight of your advice
I wear a suitcase
Under each one of my eyes
Finally I know now what it takes
It takes money and airplanes
[Chorus]
If you love me let me go
Back to that bar in Tokyo
Where the demons from my past
Leave me in peace
(ah ah ah ah)
I'll be animating every night
The grass will be greener on the other side
And the Vampires and Wolves
Won't sink their teeth
(ah ah ah ah)
I'm sick of dancing with the beast
Astrophysics you'll never be my closest friend
I find no comfort in what my mind can't comprehend
Finally I work out what it takes
It takes money and airplanes
[Chorus]
If you love me let me go
Back to that bar in Tokyo
Where the demons from my past
Leave me in peace
(ah ah ah ah ah)
I'll be animating every night
The grass will be greener on the other side
And the Vampires and Wolves
Won't sink their teeth
(ah ah ah ah ah)
I'm sick of dancing with the beast
- the wombats
Dienstag, 7. April 2015
Samstag, 7. März 2015
freiheit
"Ich glaube, viele im Westen sind nach all den Jahren der demokratischen Gesellschaftsentwicklung und des friedlichen Alltags unvorsichtig und unscharf in ihrer Analysefähigkeit geworden. Wenn eine Diktatur zusammenbricht, dann entsteht nicht qua Naturgesetz eine Demokratie, sondern zuerst ein Zwischenstadium, aus dem wieder eine Diktatur oder eine Demokratie entstehen kann. Diktaturen haben die Substanz der Bevölkerung geplündert, sie haben den Leuten das Leben gestohlen. Geblieben ist der Apparat, das alte Personal der Diktatur in neuen Funktionen in der Politik, in der Wirtschaft. Das zweite Leben der Nomenklatura."
- Herta Müller, Interview ("Die Welt", 05.03.15)
Sonntag, 1. März 2015
far from any road
From the dusty mesa her looming shadow grows
Hidden in the branches of the poison creosote
She twines her spines up slowly towards the boiling sun,
And when I touched her skin, my fingers ran with blood.
In the hushing dusk, under a swollen silver moon,
I came walking with the wind to watch the cactus bloom.
A strange hunger haunted me; the looming shadows danced.
I fell down to the thorny brush and felt a trembling hand.
When the last light warms the rocks and the rattlesnakes unfold,
Mountain cats will come to drag away your bones.
And rise with me forever across the silent sand,
And the stars will be your eyes and the wind will be my hands.
- handsome family
Samstag, 31. Januar 2015
a ranking
01. RSA
02. FIN, ISL I
04. NAM/BOT/ZAM
05. IRL
06. ISL II
07. ROU
08. CAN
Edit 12-29-2015
01. RSA
02. FIN, ISL I
04. NAM/BOT/ZAM
05. IRL
06. NZL
07. ISL II
08. CR
09. ROU
10. CAN
Montag, 5. Januar 2015
dürrer strauch, saftige gewinne
Tee ist für gewöhnlich ein harmloses Getränk, selten sorgt er für Kontroversen. Mit Rooibos verhält es sich allerdings anders, Rooibos vermag durchaus zu polarisieren. Für die einen ist das orangefarbene Gebräu die kulinarische Erleuchtung, sie schwören auf sein mildes Aroma und die gesunden Inhaltsstoffe. Andere können ihm gar nichts abgewinnen, für sie schmeckt es nach ausgekochten Socken. Doch selbst die Rooibos-Verachter halten seinen weltweiten Siegeszug nicht auf. Besonders in Deutschland erobert der Tee Szene-Cafés und Supermärkte, in Geschmacksvarianten von Aprikose über Karamell und Vanille bis Zimt.
Rooibos ist Afrikaans, also die Sprache der weißen Buren, der niederländischen Einwanderer, und bedeutet 'Rotbusch'. Es handelt sich um eine eigensinnige, eine sensible Pflanze, sie wächst nur an einem Ort auf der Welt: auf einem etwa 80 Kiklometer langen und 40 Kilometer breiten Streifen um das alte Handelsstädtchen Clanwillliam in den Zederbergen, drei Autostunden nördlich von Kapstadt, inmitten zerklüfteter Landschaften und bizarrer Sandsteinformationenen - im Wilden Westen Südafrikas. Die wenigen Menschen, die hier siedeln, bauen Zitrusfrüchte an - oder eben Rooibos. Auf großen Feldern und in ordentlichen Zweierreihen stehen die etwa einen Meter hohen Büsche. 'Rooibos braucht fünf Dinge, um zu wachsen: Winterregen, einen entwässernden Untergrund, denn er mag keine nassen Füße, einen sauren Sandboden heiße, trockene Sommer, und die Erde, die aus den Zederbergen angeschwemmt wird', erklärt Chris du Plessis. 'Wenn du diese fünf Elemente vereinst, kannst du ihn auch in München anbauen.' Chris ist der Rooibos-Kenner von Clanwilliam. Ein rhiger, hagerer Mann mit grauem Bart. Um zu Chris zu gelangen, muss man sich die letzten 20 Kilometer auf einer Schotterpiste durchschütteln lassen, drei Viehgatter öffnen und wieder mit Draht verschließen und einen gesunden Orientierungssinn mitbringen. Vor zehn Jahren zog er sich mit seiner Frau Annette auf ein landhaus zurück, legte einen botanischen Garten an und verschreibt sich seitdem der Geschichte und den Besonderheiten des Rooibos. Praktischerweise betreibt sein Schwager nicht weit weg eine Teefabrik. 'Sie versuchen es immer noch in Australien, und die Amerikaner haben es natürlich auch probiert', sagt Chris. 'In beiden Fällen schlug es fehl, weil sie nicht die Bedingungen kopieren konnten, die wir hier haben. Ich habe in Kapstadt versucht, Rooibos zu ziehen. Er wuchs nicht. Im Sommer ist es dort nicht trocken und heiß genug, der Boden nimmt nicht genug Wasser auf.' All diese Fehlschläge ereignen sich sehr zur Freude der gut 400 Teepflanzer von Clanwilliam. Das natürliche Monopol und die große Nachfrage bescheren weißen und schwarzen Kleinbauern in dieser ärmlichen Gegend endlich ein zuverlässiges Einkommen.
Die Büsche wachsen nur im südafrikanschen Sommer, also von Septmeber bis Februar. Die geernteten Zweige werden sortiert und kleingehäckselt, auf einem fußballfeldgroßen Platz ausgebreitet, mit Wasser übergossen und mit Traktoren abwechselnd gewalzt und durchgemischt. So kann der Zellsaft austreten und mit Sauerstoff reagieren, also oxidieren und schließlich fermentieren. Die ursprünglich grünen Splitter färben sich rostrot - daher der Name. Wasserdampf sterilisiert sie, das ersetzt Konservierungsstoffe.
Zwei Drittel der Produktion gehen ins Ausland, Deutschland ist dabei der größte Absatzmarkt. 'Die Deutschen sind sehr gesundheitsbewusst', erklärt sich Chris dieses Phänomen. Man fragt sich feilich, wo all die Rooibos-Massen herkommen sollen, wenn das Anbaugebiet doch so beschränkt ist. Und tatsächlich tauchte in den vergangenen Jahren mehr 'Rooibos-Tee' in Supermarktregalen weltweit auf, als die Ernte eigentlich erlauben würde. Der Boom hatte dazu geführt, dass Anbieter, die von der Mode profitieren wollen, ihre Produkte so oder so ähnlich bezeichnen, obwohl sie allenfalls Spuren von Rotbusch enthielten. Seit Sommer 2014 ist die Herkunft des Rooibos zumindest in Europa geschützt; ein Handlesabkommen zwischen EU und Südafrika reiht ihn ein in die Palette Eu-geschützter Ursprungsbezeichnungen wie etwa Champagner und Feta.
In Europa verkauft er sich auch wegen seiner vermeintlichen Exotik so gut, wegen seines Buschtee-Mythos. San-Malereien und und Sonnenuntergangs-Bilder auf den Teeschachteln beschwören ihn. Roobos-Tee wird clever vermarktet als heilsame Erfindung der San, der ursprünglichen Bewohner Südafrikas. San, Jöger und Sammler, die sich Tee brühen? Bei dieser Vorstellung muss Chris lachen. 'Das ist Unsinn, die San tranken keinen Tee. Sie haben die einheimischen Pflanzen nur in Wasser getaucht, um eine Tinktur herzustellen. So haben dann auch die weißen Siedler den Tee kennengelernt - als Medizin.' Die Idee dazu hatte 1904 Benjamoin Ginsberg, ein russischer Einwanderer aus einer Teehändlerfamilie , der den San die Nutzung als Heilpflanze abschaute. Wenn man heute nach den Heilwirkungen fragt, kann Chris eine Menge auflisten: Er helfe bei Allergien, Heuschnupfen, Asthma, Juckreiz, bei Magen- und Darmbeschwerden, bei Bluthochdruck, Schlaflosigkeit und als Tinktur gegen Sonnenbrände. Außerdem enthalte er weder Teein noch bittere, magenreizende Gerbstoffe.
In Südafrika gilt Rooibos bis heute als Arme-Leute-Tee, als Getränk derjenigen, die sich teure Importe aus Indien nicht leisten können. Armer weißer Leute wohlgemerkt - er war nie der Tee der Unterdrückten, der San oder der Schwarzen, sondern der Unterdrücker, der Buren. IN südafrianischen Supermärkten zeigen die Verpackungen teeselige weiße Familien. Aber auch beim Tee ändern sich seit dem Ende der Apartheid die Zeiten: Als er sich 2010 von seinen öffentlichen Aufgaben als Erzbischof der anglikanischen Kirche zurückzog, kündigte Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu an, fortan vor allem in Ruhe seinen Rooibos-Tee genießen zu wollen.
- Süddeutsche Zeitung, 24., 25., 26.12. 2014
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